Unsere Kinder sind fast vier und fast zwei Jahre alt (Stand: Januar 2017) und waren noch nie im Kindergarten. Und unseretwegen müssen sie auch weiterhin nicht hin – außer sie wollen es gerne.
Aber wie kam es dazu?

Die Kleine spielt mit Autos. (Bild)

Zur Vorgeschichte
Dass die Kinder nicht in den Kindergarten gehen, war nicht immer so geplant. Allerdings wusste ich schon lange bevor wir konkret an Kinder gedacht haben (mal davon abgesehen, dass ich schon Kinder haben will, seit ich denken kann 😉 ), dass diese erst mit 3 in einen Kindergarten gehen würden. Ich wollte, dass sie sich artikulieren können, dass sie erzählen können, was gut und was nicht so gut war.

Als Milan dann geboren war und größer wurde, machten wir uns Gedanken, welcher Kindergarten wohl in Frage käme und entschieden uns schließlich für den Waldorfkindergarten. Zu diesem Zeitpunkt war ich mich allerdings schon am fragen, ob Kindergarten überhaupt nötig sei? Dennoch füllte ich das Anmeldeformular aus – auch, weil mich die Frage nach der späteren Schulpflicht beschäftigte und mir die Waldorfschule als Kompromiss zwischen Regelschulsystem und schulfreiem Lernen erschien und ich hoffte, ein Kind aus dem Waldorfkindergarten würde leichter einen Schulplatz bekommen.

Im Februar 2016 konnten wir uns den Waldorfkindergarten ansehen und ganz ehrlich? Haute uns alle vier nicht vom Hocker. Nach einer Stunde war Milan zudem so überreizt, dass er im Auto auf dem Heimweg erstmal eine Runde wütete und weinte, um dann gänzlich abzuschalten und nach zu Hause zu flehen. Darüber hinaus hatte ich auf Nachfrage erfahren, dass Waldorfkindergarten und -Schule getrennt verwaltet werden, sodass es für einen Schulplatz irrelevant ist, in welchem Kindergarten das Kind vorher war. In diesem Moment hatte mein Herz schon entschieden, dass wir den Kindergarten nicht brauchen.

Zu Hause sprachen wir sehr lange darüber, über unsere Eindrücke, unsere Gedanken, unsere Gefühle. Und ich schlug Markus schließlich vor, kindergartenfrei zu bleiben. Ehrlich gesagt hatte ich ein bisschen Bammel und rechnete mit Gegenwehr, stattdessen stimmte er sofort zu, “solange Du Dir das zutraust!” Und damit war es dann entschieden.

Der Große backt. (Bild)

Warum Kindergartenfrei?
Die erste Antwort, die mir darauf einfällt, ist eine Gegenfrage: „Warum nicht?“
Ich habe an sich gar nichts gegen Kindergarten, aber ich merke eben auch, dass wir ihn nicht brauchen. Recht häufig werde ich (oder werden andere kindergartenfreie Familien) gefragt, woher ich denn wisse, dass meinen Kindern nicht etwas fehlt, und ob sie denn nicht vielleicht Spaß hätten, in den Kindergarten zu gehen. Ganz ehrlich? Das weiß ich nicht. Muss ich aber auch nicht wissen. Ich finde auch nicht, dass man das unbedingt mal ausprobieren muss. Denn denk die Frage mal weiter! Vielleicht wärst du mit einem anderen Partner glücklicher? Mit einem anderen Job? Mit einem anderen Haarschnitt? Aber wenn du mit deinem Partner/Job/Haarschnitt/wasauchimmer glücklich und zufrieden bist, musst du daran nichts ändern. Kannst du, sicher, aber willst du? Nö. Und so ist das mit uns und “kindergartenfrei” auch. Uns gehts gut, wir sind glücklich, wir haben ein schönes Leben.

Und das ist tatsächlich auch der Hauptgrund. Ja, Bindungstheorie und so. Studien über (zu) frühe und potentiell schädliche Fremdbetreuung. Alles schön und gut. Aber hör mal, ich weiß auch, dass Vegan (vielleicht) besser für meine Gesundheit und (mit ziemlicher Sicherheit) besser für den Planeten wäre. Ich esse trotzdem sehr gerne und ohne schlechtes Gewissen Fleisch und andere tierische Produkte. Und deswegen sind die Studien, die Erkenntnisse über Kinderbetreuung allenfalls ein “Goodie” zu meiner persönlichen Entscheidung und Überzeugung. Die Kinder von Freunden und Bekannten, die im Kindergarten sind, sind ja nicht weniger glücklich als meine. Die sind eben anders glücklich.

Und wenn meine Kinder doch mal wollen?
Dürfen sie natürlich. Ich mache ihnen Kindergarten ja nicht schlecht, wozu auch? Wir hatten vor einiger Zeit auch eine Phase, in welcher Milan sehr neugierig war. Er bekommt ja von den Nachbarskindern mit, dass sie in den Kindergarten gehen und gerade am Anfang haben sie uns auch öfter gefragt, wieso Milan und Maggie denn nicht gehen und wer denn dann auf sie aufpasst und was wir denn stattdessen machen? Milan hat mich dann vieles gefragt und wir haben ausführlich über Kindergarten gesprochen, dass es dort viele Kinder gibt, dass man dort spielen kann und dass die Kindergärtner/innen auf die Kinder aufpassen, während die Eltern z.B. arbeiten sind. Dass die Eltern (oder Großeltern) die Kinder dann mittags wieder abholen können. Fand er ganz spannend – bis zu dem Punkt, an dem er begriff, dass im Kindergarten die Eltern nicht (immer) dabei bleiben. Da fing er an zu weinen. Und das wars dann auch für ihn. Wird er heute nach Kindergarten gefragt, antwortet er sehr selbstbewusst “Ich gehe nicht in den Kindergarten!”, auf das “Wieso nicht?” hat er verschiedene Antworten, mal erklärt er, dass er keine Zeit für Kindergarten habe, mal, dass er lieber mit mir und Maggie spielen wolle. So einfach ist das.

Die Kinder im Hof. (Bild)

Treffen wir andere Kinder?
Auch, wenn ich den Text nicht zu lange werden lassen will – es gibt noch viel zu erzählen, aber es muss ja nicht alles in einen Artikel gequetscht werden – will ich doch noch kurz auf die Frage nach Kontakten eingehen.
Seit Milan etwa 3 ist, zeigt er (mehr) Interesse an anderen Kindern. Er ist nun aber nicht der Typ für Großveranstaltungen, ihm reicht es, wenn er ein, zwei Spielkameraden hat. Da wir in einer recht kinderreichen Gegend wohnen, spielten wir im Sommer fast täglich mit den Nachbarskindern. Jetzt im Winter ist der Kontakt weniger geworden, dafür hält er sich mehr an Maggie. Seine liebste Spielfreundin ist unsere Nachbarin S., die auch hin und wieder zu uns nach Hause kommt. Auch hier sehe ich, dass es ihm (und seiner kleinen Schwester) gut damit geht, wäre das anders, wäre es an mir, etwas zu unternehmen, beispielsweise eine Spielgruppe zu besuchen (oder zu gründen) oder eben anderweitig Kontakte zu organisieren, dazu braucht es keinen Kindergarten – auch wenn es natürlich einfacher ist, Kontakte zu knüpfen, wenn sie sich alle “auf einem Haufen” befinden. Ich denke, je älter die Kinder werden, desto eher zeigen sie auch Interesse an verschiedenen Aktivitäten und ich freue mich darauf, mit ihnen gemeinsam irgendwann Vereine auszusuchen, in Gruppen oder Veranstaltungen rein zu schnuppern.

Zusammengefasst…
…kann ich eigentlich auf die Frage “Warum Kindergartenfrei?” nur sagen: weil es uns gut geht damit. Never change a winning team – wir haben, was wir brauchen, wir sind zufrieden und ausgeglichen, wir schaden niemandem. So einfach, so schwer.

Was meinst du?
Sollen deine Kinder in den Kindergarten gehen (oder tun sie es schon)?
Kannst du es dir vorstellen, sie ohne Kindergarten (und – mal ungeachtet der rechtlichen Situation in Deutschland – auch ohne Schule) aufwachsen zu sehen?

Und was interessiert dich sonst noch an den Themen Kindergartenfrei und Schulfrei?
Ich bin gespannt, was du zu erzählen hast und freue mich auf dein Feedback!