Wolltest du schon immer mal eine Puppe nähen? Wusstest aber nicht so richtig, wo du anfangen sollst?

Dann bist du hier genau richtig. Ich zeige dir ab sofort, wie man eine Babypuppe nach Waldorf Art (ca. 25 cm groß) näht, inklusive kostenlosen Schnittmustern für den Körper und ein erstes Anziehsachen-Set, bestehend aus Hose, Langarmshirt, Überziehschuhen und Mütze (für den Kopf der Puppe brauchst du kein Schnittmuster, wie du gleich sehen wirst!), die du in den kommenden Teilen des Tutorials als PDF-Download erhältst.

In diesem ersten Teil werde ich dir sagen, welche Materialien du benötigst, wo ich meine Materialien her bekomme, und wir werden gemeinsam den Kopf der Puppe gestalten. Ich habe extra viele Bilder gemacht, damit die einzelnen Schritte gut nachvollziehbar und leicht umzusetzen sind! Wenn du noch Fragen oder Anregungen hast, melde dich unbedingt bei mir, in den Kommentaren oder auch als E-Mail an info@froschferkel.de

Und nun: viel Spaß und gutes Gelingen!

Material für 1 Puppe nach Waldorf-Art, ca. 25 cm groß von Kopf bis Fuß

  • Puppentrikotstoff(*1)
    für den Kopf: ca. 20 cm x 20 cm (Breite x Höhe
    für den Körper: ca. 60 cm x 30 cm (B x H)
  • Verbandschlauch der Gr. 5
    ca. 60 cm lang
  • Füllmaterial, ich nehme Schafwolle
    ca. 200 g
  • einen Stift zum Markieren
    ich nutze einen selbstlöschenden Stift, denkbar ist aber auch Schneiderkreide o.ä.
  • Abbindegarn
  • Nähgarn
  • Stickgarn in Augen- und Mundfarbe
  • Garn für die Haare
    ich nehme in diesem Tutorial Mohair-Boucle-Garn (das sieht aus wie kleine Löckchen)
  • Nähnadeln
    eine kurze
    eine lange (hilfreich ist eine lange Puppennadel, die gibt es schon recht günstig)
    optional eine gebogene (Matratzennadel) (sehr empfehlenswert, geht aber auch ohne)
  • eine Häkelnadel Gr. 4 oder 5
    die Haare der Puppe können auch anders gestaltet werden oder du nähst die Mütze statt Haare am Kopf fest – in diesem Tutorial werde ich aus dem Mohairgarn eine kleine Perücke häkeln
  • eine Nähmaschine
    natürlich kannst du die Puppe prinzipiell auch komplett von Hand nähen – das dauert dann entsprechend länger
  • Stoffreste (Jersey) für die Kleidung

Ich bestelle mein Material (bis auf den Verbandschlauch, den gibts z.B. in der Apotheke) inzwischen online bei Wollknoll.eu, du kannst natürlich auch in Deinem örtlichen Bastelladen schauen oder dir ein Komplettset bestellen (gibt es zum Beispiel bei Dawanda).

(*1) Puppentrikot gibt es in zwei Stärken: den etwas dünneren, dehnbaren Jersey (der oben aufliegende Stoff im Bild) fürs Puppengesicht und den etwas dickeren, festeren Interlockjersey (der untere Stoff im Bild) für den Körper. Sinn dieser Unterscheidung ist, dass der Kopf der Puppe möglichst faltenfrei gestaltet werden kann – der dünnere Stoff passt sich den Konturen des Kopfes besser an! Im Prinzip kann man – vor allem bei größeren Puppen – auch den festeren Stoff fürs Gesicht nehmen. Für sehr kleine Puppen (z.B. fürs Puppenhaus oder für den Jahreszeitentisch) sollte aber in jedem Fall der dünne Trikotstoff verwendet werden.

Ein Bild von den beiden Stoffarten fürs Puppen nähen.

Teil 1: Den Puppenkopf gestalten

Heute benötigst du:

  • Stopfwolle
  • Verbandschlauch
  • Puppentrikot für den Kopf
  • Abbindegarn
  • Nähnadel kurz (und gebogen, falls vorhanden)
  • einen Stift zum Markieren
a: Das „Gehirn“
Nimm dir etwa 25 g Wolle und rolle sie zu einem Ball. Diesen umwickelst du nun kreuz und quer mit dem Abbindegarn. Es soll ein möglichst fester Ball entstehen. Dieser gibt dem gesamten Puppenkopf Stabilität und Festigkeit. (Alternativ wäre zum Beispiel auch ein gefilzter Ball möglich!) Wenn der Ball fest und stabil ist, verknote die Enden und kürze den Faden. Voila – schon hast du den ersten Schritt geschafft!
b: Der Kopf (Grundform)
Nimm dir etwa 4-6 Stränge Wolle (ca. 30-40 cm lang und 5-6 cm breit) und lege sie sternförmig übereinander. In die Mitte kommt dein eben gestaltetes Puppen“gehirn“, das von den Wollsträngen umschlossen wird, sodass du einen runden Ball erhältst und die Enden der Wollstränge unter diesem Ball zusammenlaufen. Knapp unterhalb des festen Balles/Kopfes deiner Puppe bindest du nun mit Abbindegarn ab. Nun kann man schon eher erkennen, dass hier ein kleines Köpfchen ensteht. Der Durchmesser von ca. 29-30 cm wird sich gleich noch einmal deutlich verkleinern, wenn wir die Gesichtszüge ausformen/abbinden.
c: Den Kopf fixieren
Nun brauchst du den Schlauchverband (Gr. 5), etwa 60 cm lang. Falte ihn in der Mitte, sodass die offenen Enden aufeinander liegen. Binde ihn nun in der Mitte (siehe Detailbild) mit einem Stück Abbindegarn ab und stülpe das eine Ende über das andere Ende. Die so entstandene „Socke“ ziehst du nun über den Kopfball. Knapp unterhalb des Schädels wieder abbinden. 🙂

d: Die Gesichtszüge abbinden

 

Nun geht es ans Ausgestalten der Gesichtszüge. Den Anfang macht die Augenlinie. Wickle Abbindegarn ungefähr um die Mitte des Kopfes und ziehe es gut fest (mir reißt dabei regelmäßig das [besonders reißfeste!] Abbindegarn 😉 ). Auf den Bildern sieht das vielleicht „zu viel“ aus, aber das relativiert sich später wieder, also nur Mut, es sollte eine deutliche Unterteilung ergeben! 🙂 Danach wird das Gesicht vom Hinterkopf abgebunden. Sieh dir Dein Puppenkind an, dann wirst du erkennen, welche Seite sich besser als Gesicht und welche als Hinterkopf eignet.

Als nächstes fixieren wir die Stellen, an denen sich die beiden Fäden kreuzen – so ist sicher gestellt, dass alles an Ort und Stelle bleibt. Du kannst dazu auch eine normale, gerade Nadel nehmen, wenn du keine gebogene hast, lass dich von meinen Bildern dann nicht irritieren. Die Naht muss nicht schön sein, man sieht sie später ohnehin nicht mehr, sie soll nur halten. Einfach über Kreuz die Abbindefäden vernähen – einmal links, einmal rechts. Perfekt!

Nun kannst du dich daran machen, den Hinterkopf schön rund zu machen. Dazu ziehst du die verlängerte Augenlinie (also der horizontale Abbindefaden am Hinterkopf!) einfach in den Nacken. Das geht zum Beispiel mit einer Häkelnadel oder auch einfach mit den Fingern – ist ein bisschen fummelig, das ist normal, nur Geduld! Auch im Nacken wird der Faden mit ein paar Stichen fixiert, damit er nicht mehr wegrutschen und den Hinterkopf deines Puppenkindes verunstalten kann.

e: Eine Nase ausformen (optional, geht auch ohne Nase 😉 )

 

Wenn du Lust hast, kannst du deiner Puppe eine kleine Nase verpassen. Das geht überraschend einfach und sieht wirklich süß aus!

Markiere dir zunächst, wo die Nase ein soll, indem du an dieser Stelle einen Kreis malst. Bei dieser Puppe sollte der etwa so groß wie ein 2-Cent-Stück sein (keine Panik, die Nase selbst ist nachher viel kleiner!). Nun stichst du von einer Seite des Kreises zur anderen und achtest dabei darauf, dass du möglichst viel Füllwolle „mitnimmst“ (eine gebogene Nadel kann hier wieder hilfreich sein, probier einfach aus, was dir besser liegt!). Danach stichst du knapp neben der Stelle, an der du herausgekommen bist, wieder ein und kommst knapp neben deinem Anfangsstich wieder heraus. So gehst du nun einmal rundherum, bis der Anfang des Fadens und das Ende nebeneinander liegen. Ziehe nun die beiden Fäden vorsichtig straff und du wirst sehen, dass sich eine kleine Nase ausformt. Fäden gut verknoten: fertig ist das Stupsnäschen!

 

f: Den Kopf mit „Haut“ beziehen

 

Und schon sind wir beim letzten Teil des heutigen Tutorials angekommen. Unser Puppenköpfchen erhält „Haut“.

Nimm hierzu den Trikotstoff fürs Gesicht und falte ihn mittig, parallel zum Fadenlauf (wenn du dir den Stoff ansiehst, erkennst du, dass er ein „Muster“ hat, nämlich Linien/Rippen, die nebeneinanderlaufen – in der gleichen Richtung verläuft auch der Fadenlauf!). Die rechte Stoffseite (das ist die schöne, die nachher von außen zu sehen sein soll!) liegt innen.
Lege deinen Puppenkopf mit Stirn, Nase und Kinn an die Bruchkante (die geschlossene, gefaltete!) an, setze deinen Stift gerade am Kopf an und zeichne die Kontur des Köpfchens auf den Stoff.

Nun gehts an die Nähmaschine. Mit einem elastischen Stich (z.B. der Dreifach-Geradstich oder ein enger Zickzackstich) nähst du nun knapp an der gezeichneten Linie entlang. Den überstehenden Stoff schneidest du ab und wendest dann alles, sodass die Naht nun innen und die rechte (schöne) Seite außen ist. Zieh dieses Säckchen nun über den Kopf deines Puppenkindes – ich habe dir in den Bildern die Stirnkante markiert, damit du siehst, wie es ungefähr sitzen sollte. Wenn, wie bei mir, ein Zipfelchen absteht, ist das nicht schlimm, denn dieser Teil verschwindet später unter den Haaren! Zieh alles schön glatt und binde ein letztes Mal knapp unter dem Kopf ab.

Teil 1 des Tutorials ist nun schon geschafft!

Großartig, dein Kopf ist fertig! (Gesicht und Haare kommen später!)
Wenn du Lust hast, schick mir gerne ein Bild von deinem fertigen Puppenkopf.

Im zweiten Teil des Tutorials (ich werde es hier verlinken, sobald ich es fertig habe) erhältst du das Schnittmuster für den Körper der Puppe und ich zeige dir, wie du diesen nähst, füllst und mit dem Kopf verbindest.